Großes Echo auf Gondershausener Fund

 Der Hunsrück und seine Geschichte  Kommentare deaktiviert für Großes Echo auf Gondershausener Fund
Jul 052014
 

Archäologie: Weltweites Interesse an der altsteinzeitlichen Felsgravur – Frage des Schutzes steht im Mittelpunkt

Von Volker Boch (Chefreporter  Rhein-Hunsrück-Zeitung)

 Gondershausen. Die Felsgravur von Gondershausen sorgt für ein großes internationales Echo. Nachdem der Fund der altsteinzeitlichen Zeichnung am Dienstag öffentlich gemacht wurde, haben Medien weltweit über den Fall berichtet, in der Zukunft werden sich viele Forscher eingehend mit diesem Fund beschäftigen wollen. Zwei Tage nach dem Medientermin verdeutlicht sich, dass dies kein „normaler“ Fund der Archäologie ist, sondern etwas, dass die Geschichtsschreibung weit über den Hunsrück hinaus beeinflussen und verändern wird.

 Eintrag in die Schulbücher

„Das muss möglichst schnell in die Schulbücher“, sagte Wolfgang Welker vom regionalen Archäologieverein Arrata, während er Kulturministerin Doris Ahnen und den Vertretern aus Politik und Medien am Fundort erklären wollte, welche Bedeutung die Felszeichnung von Gondershausen aus seiner Sicht hat. „Dies bringt ganz neue Erkenntnisse im Bereich der altsteinzeitlichen Forschung.“

Welker ließ sich nicht zu Spekulationen hinreißen, welche geschichtlichen Hintergründe rund um die Gravur bestehen könnten, dafür bewegt sich der Archäologie viel zu sehr auf dem Boden der Tatsachen und Fakten. Selbstredend schießen nach solchen Funden aber immer wieder Diskussionen ins Kraut, was sich vor Tausenden Jahren hier einmal abgespielt haben könnte. Immerhin wird das Alter der Zeichnung auf 20 000 bis 25 000 Jahre geschätzt und damit in eine Zeit hineindatiert, aus der nicht nur in Deutschland keinerlei Zeugnisse existieren. Continue reading »

Neues Kapitel der Steinzeitforschung

 Der Hunsrück und seine Geschichte  Kommentare deaktiviert für Neues Kapitel der Steinzeitforschung
Jul 032014
 

Felskunst Gravurfund im Hunsrück erzählt von Kulturaustausch

Von Autor Andreas Pecht

Hunsrück. Der Anmarsch ist weit, teils sehr beschwerlich. Der Fundort liegt abseits im Verborgenen. Es ist, als habe die Natur des Hunsrücks das spätsteinzeitliche Artefakt bei Gondershausen dem Zugriff der Moderne entziehen wollen. Die rheinland-pfälzischen Landesarchäologen sind froh darüber, denn das bietet Schutz für den jetzt vorgestellten Fund aus dem letzten Drittel der jüngsten Eiszeit (wir berichteten). Schutz vor übereifriger Altertumsliebhaberei, Sensationsgier oder Vandalismus. Die wenigen, die den Ort nun kennen, werden erst mal zu Stillschweigen über den Weg dorthin vergattert.

Auf den ersten Blick erkennt der Laie nichts.

Ohnehin stünde für den Laien an dessen Ende eher eine Enttäuschung: Auf den ersten Blick erkennt er gar nichts; auf den zweiten nur einige in den Schieferfels eingravierte, stark verwitterte Linien. Erst Fingerzeige eines Wissenschaftlers enthüllen dem unkundigen Betrachter die auf einem Quadratmeter Felsfläche planmäßig angelegte Darstellung einer Gruppe von drei Pferden nebst einem nicht zu identifizierenden vierten Tier. Was ist so bedeutend an dem Fund, dass er als eine der wichtigsten archäologischen Entdeckungen der vergangenen Jahre in Rheinland-Pfalz bezeichnet werden kann?

Derartige Felsgravuren waren bislang nur aus Portugal, Spanien, Frankreich bekannt, wurden aber noch nie so weit im Norden Europas entdeckt. Und: Sie sind auf ein Alter von 20 000 bis 25 000 Jahren zu datieren, auf eine Zeit, aus der es in der hiesigen Region nur sehr wenige Zeugnisse gibt. Weshalb Chefarchäologe Axel von Berg davon ausgeht, dass mit der Entdeckung bei Gondershausen ein neues Kapitel Steinzeit-Forschung beginnt, das mehr Licht in das Leben jener Generationen des Homo sapiens bringt, die 5000 bis 10 000 Jahre vor den Jäger-und-Sammler-Gruppen der sogenannten Magdalenien-Epoche die mittelrheinische Region durchstreiften.

Über die Menschen des Magdalenien wissen wir dank Tausender archäologischer Funde an Siedlungsplätzen bei Andernach und in Neuwied-Gönnersdorf ziemlich viel, über deren Vorfahren indes noch sehr wenig. Die Umweltbedingungen gestalteten sich für beide ähnlich: Die mittelrheinischen Täler und Höhen, auch der Hunsrück, waren eine trocken-kalte Tundra-Landschaft ohne Wälder; Steppengrasflächen und niedriges Buschwerk über ganzjährig gefrorenem Permafrost-Untergrund dominierten. Für die Magdalenien-Menschen steht fest, dass ihr wichtigstes Jagdtier das Pferd war, Pferdefleisch also eine Art Grundnahrungsmittel. Die Felsgravuren von Gondershausen legen den Schluss nahe, dass Pferde bei deren Vorfahren die gleiche Rolle spielten. Continue reading »

Jul 012013
 

Ein Bericht für die Waldeck-Zeitung von Hotte.

In der Mitte des 19ten Jahrhunderts wurden ganze Dörfer im Hunsrück von Hungersnot und Armut geplagt. Die Hälfte der Bevölkerung wanderte ins ferne Brasilien aus. Die andere Hälfte träumte davon. Das erzählt Edgar Reitz mit seinem neuen Kinofilm DIE ANDERE HEIMAT. Im Zentrum dieser bewegenden Familien- und Liebesgeschichte stehen zwei Brüder, die sich vor die existentielle Frage gestellt sehen: Gehen oder bleiben?

Im letzten Jahr wurde der Stoff für eine aufwändige Kinoproduktion im Hunsrück und an der Mosel gedreht. Dafür wurde der Ortskern von Gehlweiler detail-genau in ein Dorf um 1850 verwandelt. Alleine diese Kulisse wurde zwischen den Dreharbeiten von rund 20.000 filmbegeisterten Leuten aus nah und fern besichtigt. Aus dem Hunsrück haben rund 500 Menschen als Schauspieler, Komparsen, Berater und Partner beim Film mitgewirkt.

Nun ist es soweit! Am 28. September, zwei Tage bevor in München weitere Premieren geplant sind, findet die Welturaufführung des fast vierstündigen (!) Werkes in Simmern statt. Dazu werden rund 1600 Menschen erwartet. Wir sind alle sehr gespannt.

Gerne wollte auch ich in diesem Film mitspielen. Ich bin schon lange sehr angetan von dem wohl wichtigsten Kulturhistorischen Ereignis im Hunsrück der letzten 30 Jahre: der HEIMAT-Trilogie. Alleine die eindrucksvollen Bilder von HEIMAT 1 haben in den Achtziger Jahren 25 Millionen Menschen gesehen und den Hunsrück in der ganzen Welt bekannt gemacht. Für mich allerdings war es zu allererst die feinfühlige Art, mit der Edgar Reitz zu Werke geht, die ich mal hautnah miterleben wollte.

Es sah anfangs nicht gut aus mit einer Rolle für mich. Ich passte nicht ins Beute-Schema für die Darstellung Hunsrücker Hungerjahre und auswanderungswilliger Menschen. Die müssen nämlich sein: jung und vor allen Dingen dünn! Continue reading »